Wildlife-Fotografie auf Helgoland mit der OM System OM1 II

Helgoland gehört ohne Zweifel zu den bekanntesten Orten für die Wildlife-Fotografie in Deutschland. Die Buntsandsteinfelsen der Insel sind (Deutschlands einziger) Brutplatz für Basstölpel, Trottellummen, Tordalken, Eissturmvögel und Dreizehenmöwen. Die Strände der Nebeninsel "Düne", welche bis zur Sturmflut im Jahr 1721 mit der Hauptinsel verbunden war, sind Heimat von hunderten Seehunden und Kegelrobben sowie einer Vielzahl von Watvögeln (Limikolen). Im September 2026 ging es für mich zum vierten Mal auf die Insel. Nicht fehlen durfte dabei meine kürzlich erworbene OM System OM1 II, die ich zusammen mit dem M.Zuiko 40-150mm f/2.8 PRO und dem M.Zuiko 300mm f/4 PRO intensiver in der Tierfotografie ausprobieren wollte. In diesem Blogartikel möchte ich ein paar fotografische Eindrücke von der Reise teilen.

Einzigartig in der deutschen Nordsee

Während die meisten Inseln in der deutschen Nordsee aus Watt, Strand und Dünen (z.T. auch einem Geestkern) aufgebaut sind, handelt es bei Helgoland um die einzige Felseninsel in der deutschen Bucht. Diese Besonderheit setzt sich auch unter Wasser mit dem Naturschutzgebiet "Helgoländer Felssockel" fort, welcher Lebensraum für eine artenreiche marine Flora und Fauna darstellt. Hervorzuheben sind hierbei die, für die deutsche Nordsee, ebenfalls einzigartigen Tangwälder. Diese können hier nur aufgrund des Hartbodens gedeihen. Unter den tierischen Unterwasserbewohnern Helgolands ist der Europäische Hummer wohl der Bekannteste. Daneben kommen u.a. Kleingefleckte Katzenhaie, Seehasen, Seeskorpione und Klippenbarsche im Bereich des Helgoländer Felssockels vor. In den tieferen Rinnen vor der Insel versammeln sich alljährlich Hundshaie, um dort nach Makrelen und anderen Fischen zu jagen.

Die Buntsandsteinfelsen an der Helgoländer Westküste.
Die Buntsandsteinfelsen an der Helgoländer Westseite.

Bei den Basstölpeln an den Buntsandsteinfelsen von Helgoland

Im September haben die meisten Vogelarten ihre Brutplätze an den Helgoländer Sandsteinfelsen schon verlassen. Die Basstölpel sind zu dieser Jahreszeit jedoch noch in größerer Zahl inklusive Jungvögeln auf der Westseite der Insel anzutreffen. Von den väterlichen Pflichten entbunden, machte ich mich an einem frühen Abend auf den Weg, um diese fotogenen Vögel auf den Sensor meiner Kamera zu bannen. Das Wetter spielte im üblicherweise regenreichsten Monat der Insel mit und bei angenehm milden Temperaturen zeigte sich immer wieder die Sonne. Es bestanden an diesem Abend gute Chancen auf bestes Fotolicht.

Die Fotografie von Basstölpeln auf Helgoland ist, zumindest logistisch, ein niederschwelliges Unterfangen. Das Helgoländer Oberland kann barrierefrei über einen Aufzug erreicht werden. Da die Vögel teil bis direkt am Klippenrandweg brüten, wird für formatfüllende Aufnahmen nicht einmal ein Teleobjektiv benötigt. Die Kunst ist vielmehr, einzelne Tiere als Hauptmotiv fotografisch herauszuarbeiten. Meist dicht gedrängt sitzen die Basstölpel auf dem roten Sandstein. Beim Blick durch den Sucher der Kamera stören nicht selten die Flügel oder der Kopf eines gefiederten Nachbarn den harmonischen Bildaufbau. Hier hilft es, zwischendurch mal inne zu halten, einfach das Geschehen zu beobachten und dann im richtigen Moment den Auslöser zu drücken. Oder aber den Serienbildmodus der Kamera zu bemühen und darauf zu hoffen, dass schon eine passende Aufnahme ohne störende Elemente im Bildaufbau dabei sein wird.

Basstölpel auf Helgoland.
Auch im September noch dicht gedrängt - die Basstölpel auf Helgoland.

Ich lies zunächst mein Standardobjektiv, das M.Zuiko 12-45mm f/4 PRO auf der Kamera, um die Basstölpel samt der umliegenden Szenerie zu fotografieren.

Portrait des Basstölpels.
Formatfüllend auch ohne Teleobjektiv - Portrait eines Basstölpels.

Noch mehr als bei meinen vorherigen Aufenthalten fiel mir auf, dass das herangebrachte Nistmaterial der Basstölpel zu bedeutenden Teilen aus den Resten alter Fischernetze bestand. Dies ist für die Vögel nicht ungefährlich, da diese sich in den Plastikfasern verfangen und strangulieren können. Und es sagt leider einiges über den Zustand unserer Meere aus.

Alte Fischernetze als Nistmaterial der Basstölpel.
Ein bedenklicher Anblick - Kunststoffnetze als Nistmaterial.

Bereits kurze Zeit, nachdem ich zunächst das M.Zuiko 300mm f/4 PRO auf die Kamera geschraubt hatte, merkte ich, dass diese lange Brennweite (600 mm Kleinbildäquivalent aufgrund des zweifachen Cropfaktors beim Micro Four Thirds System) für meine Wunschfotos des Abends eigentlich nicht erforderlich war. Ich wechselte auf das M.Zuiko 40-150mm f/2.8 PRO um Flexibilität bei der Brennweite zu haben und die große Offenblende für das Spiel mit der Schärfentiefe zu nutzen..

Beim Blick durch den Sucher zauberte die tiefstehende Sonne wunderschöne Unschärfekreise auf die Meeresoberfläche der unter mir liegenden Nordsee. Genau das hatte ich mir erhofft. Und da soll mal einer sagen, mit dem vergleichsweise kleinen Bildsensor des Micro Four Thirds System könne man nicht vernünftig freistellen. Der kleinbildäquivalente Brennweitenbereich von 80-300 mm war ideal für die Fotografie der Basstölpel am Klippenrand. Und zumindest die rein technische Seite der Fotos war über jeden Zweifel erhaben. Der kontinuierliche Autofokus (AF-C) der OM 1 Mark II in Kombination mit der Motiverkennung (Vögel) arbeitete sehr zuverlässig. Der sehr effektive Bildstabilisator und die Offenblende von f/2.8 erlaubten mir das freihändige Fotografieren bei gleichzeitig niedrigen ISO-Werten.

Basstölpel in der Abendsonne.
Basstölpel und im Meer glitzernde Abendsonne.
Basstölpel im Portrait.
Basstölpel im Portrait.
Basstölpel in der Helgoländer Abendsonne.
Basstölpel in der Abendsonne.

Auch Mitte September waren noch einige Jungvögel bei den Basstölpel zu beobachten. Deren dunkles Gefieder verlangte im Gegenlicht der untergehenden Sonne nach einer Belichtungskorrektur. Hier versuchte ich mich in einigen High-Key-Fotos.

Basstölpel Jungvogel.
Jungvogel eines Basstölpels.

Die immer tiefer stehende Sonne verleitete mich dann doch noch mal dazu, das M.Zuiko 300mm f/4 PRO auf die Kamera zu setzen und einzelne Basstölpel im Scherenschnitt gegen das warme Abendlicht in Szene zu setzen.

Basstölpel im Scherenschnitt.
Basstölpel im Scherenschnitt.
Mitzieher vom Basstölpel im letzen Abendlicht.
Mitzieher vom Basstölpel im letzen Abendlicht .

Nach Sonnenuntergang, füllte ich die SD-Karte noch mit den Versuchen von Mitziehfotos der vorbeifliegenden Basstölpel. Diese hatten recht repetitive und somit gut zu antizipierende Anflugmuster. Nachdem auch das letzte Licht sich verabschiedet hatte, machte ich mich auf den Heimweg. Mein nächsten fotografischen Ausflüge würden mich zu den Robben und Limikolen der Nachbarinsel Düne führen.

Robben und Limikolen auf der Düne

Nachdem Kegelrobben durch die Jagd auf die Tiere über viele Jahrzehnte aus der deutschen Nordsee verschwunden waren, erholen sich die Bestände mittlerweile deutlich. Im Winter 1996/97 kamen erstmalig junge Kegelrobben auf der Helgoländer Düne zur Welt. Bei der letzten detaillierten Erfassung von Kegelrobbenbabys im Winter 2024/25 wurden über 1000 Jungtiere auf der Helgoländer Nebeninsel gezählt. Im Sommer sind weitaus weniger Individuen von Deutschlands größtem Raubtier am Nord- und Südstrand der Düne anwesend. Dennoch lassen sich die Tiere auch zu dieser Jahreszeit verlässlich dort beobachten - oft in gemischten Gruppen mit den kleineren Seehunden.

Pfuhlschnepfe am Südstrand der Düne.
Pfuhlschnepfe mit Seehund im Hintergrund.

Um den gebotenen 30 m Sicherheitsabstand zu den Robben fotografisch zu überbrücken und um auch kleine Limikolen im Spülsaum der Nordsee formatfüllender ablichten zu können, kam auf der Düne ausschließlich das M.Zuiko 300mm f/4 PRO zum Einsatz. Die kleinbildäquivalente Brennweite von 600 mm erwies sich in den meisten Fällen als ausreichend. Nur gelegentlich kam bei mir der Wunsch nach etwas mehr Brennweite auf, um meine tierischen Motive größer auf den Kamerasensor zu bannen.

anderling bei der Nahrungssuche im Spülsaum.
Sanderling bei der Nahrungssuche im Spülsaum.
Sanderling am Südstrand der Düne.
Klein und agil - der Sanderling.

Bei den agilen und kleinen Sanderlingen, die in Kleingruppen im Spülsaum des Südstrandes auf Nahrungssuche waren, war ich überaus dankbar für automatische Motiverkennung von Vögeln in Zusammenspiel mit dem flotten kontinuierlichen Autofokus der OM 1 Mark II. Zwar saß der Fokus aufgrund der geringen Schärfentiefe und der schnellen, erratischen Bewegungen der Sanderlinge nicht bei jeder Aufnahme exakt auf dem Auge der Tiere, die Trefferquote war jedoch insgesamt sehr zufriedenstellend.

Da ich beim ersten Ausflug zur Düne zur Mittagszeit nur die bewölkten Phasen nutzen konnte, um hartes Licht in den Fotos zu vermeiden, nahm ich mir vor nochmals zur Abendzeit zurück zu kommen. Der Wetterbericht lies noch einen einzigen Abend mit guten fotografischen Bedingungen erwarten, bevor starke Bewölkung und anhaltende Regenfälle über die Insel ziehen würden. Diese Chance wollte ich nutzen.

Um etwa 18 Uhr am Anleger der Düne angekommen, spazierte ich auf der Suche nach Kegelrobben und Seehunden zunächst zum Nordstrand der Insel. Hier konnte ich zumindest bei zurückliegenden Reisen nach Helgoland häufiger größere Gruppen von Kegelrobben beobachten. An diesem Abend blieb ich dort jedoch erfolglos. Auf der windgeschützten Ostseite der Düne (der "Aade") mit ihren Geröllstränden aus Feuerstein konnte ich dann einen respektablen Kegelrobbenbullen bei seiner Patrouille im flachen Wasser beobachten. Dieser schien mich genau so neugierig zu beäugen, wie ich ihn.

Kegelrobbenbulle im Flachwasser an der Aade.
Kegelrobbenbulle im Flachwasser an der Aade.
Graureiher am Südstrand der Düne.
Graureiher am Südstrand der Düne.

Mit zunehmend tiefer stehender Sonne kam ich am Südstrand der Düne an, wo ein Graureiher im Flachwasser jagte, bis er von zwei Spaziergängern aufgeschreckt wurde. In der hintersten Ecke des Südstrandes vor den Tetrapoden erblickte ich dann eine Gruppe von Seehunden und einzelnen Kegelrobben. Ein frischer, böiger Wind wehte und umhüllte die Tiere immer wieder in einen feinen Schleier aus aufgewirbelten Sand. Ich begab mich in eine tiefe Position. Nun pustete auch mir der feine Sand um und in die Ohren. Die Motiverkennung hatte bei den eher regungslosen Robben gelegentlich Probleme, da diese sich mit ihrer grauen Färbung kaum von den dahinter liegenden Tetrapoden absetzten bzw. für die Kamera wohl nicht als Tiere erkennbar waren. Auch gibt es keine explizite Erkennung von Robben in der OM1 Mark II - zuvor tat hier jedoch die vorhandene Motiverkennung von Katzen und Hunden verlässlich ihren Dienst. Ich wählte daher diesmal manuell einen Fokuspunkt mit Hilfe des Joysticks der Kamera aus.

Seehunde auf der Helgoländer Düne im Abendlicht.
Seehunde auf der Helgoländer Düne im Abendlicht.

Und dann kam dieser eine Moment, in dem die Wolken eine Lücke zur tiefstehenden Sonne öffneten. Der ganze Sandstrand fing an zu glitzern und zauberte durch die verwendete lange Brennweite und offene Blende herrlich leuchtende Unschärfekreise in meine Fotos. Das Schauspiel dauerte nur wenige Minuten, bevor die Wolken das Abendlicht vollständig verschluckten.

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